Das Betreuungsangebot

Für die Schüler der Grundschule Meersburg

Meersburg, den 18. Juni 2015: In  der  öffentlichen  Sitzung  des  Gemeinderates  am  24.03.2015  wurde  auf  der  Basis  eines Sachvortrags von Frau Ute Rose, Abteilung „Familie, Soziales, Bildung“ der Stadtverwaltung sowohl über  das  künftige  Betreuungsangebot  an  der  Schule  als  auch  über  eine  mögliche  Ausrichtung  der Schule hin zu einer Form der gebundenen Ganztagsgrundschule diskutiert. Grundlage der Diskussion war die Beschlussvorlage 15/0245 vom 12.03.2015, die den folgenden Beschlussvorschlag enthält:


1. Der  Gemeinderat  entscheidet,  ob  und  gegebenenfalls  in  welchem  Umfang  eine Ganztagesgrundschule ab dem Schuljahr 2016/2017 beantragt werden soll.


2. Der  Gemeinderat  entscheidet  über  die  Einrichtung  einer  zweiten  Hortgruppe  zum Schuljahresende.


3. Der  Gemeinderat  beauftragt  die  Verwaltung,  einen  Vorschlag  zur  Anpassung  der Benutzungsgebühren für die dargestellten Betreuungsangebote zu erarbeiten.

 


Der Gemeinderat stimmt für 20 weitere Plätze an der Grundschule. Insgesamt können dann 54 Kinder das Angebot nutzen. Das Gesamtthema Betreuung ist aber komplexer. hier lesen


Zu den Punkten 1 und 2 beziehen wir wie folgt Stellung:

Punkt 1. Der Elternbeirat sieht die aktuelle Regelung der Halbtagesschule mit den Zusatzangeboten Kernzeitbetreuung, begleitetem Mittagstisch und Hortbetreuung sehr positiv. Die derzeitigen verschie-denen Zusatzangebote ermöglichen den Eltern und Schülern unserer Grundschule die bedarfsgerechte Regelung der familiären Bedürfnisse und der beruflichen Anforderungen des Alltags. Auch erscheint uns die flexible Form der Nutzung der Kernzeitbetreuung besonders wichtig. Als Elternbeirat bevorzugen wir aus o.g. Gründen auch in Zukunft die bestehende flexible Regelung dauerhaft beizubehalten, da sie eine bedarfsgerechte Betreuung für alle Familien zulässt:

 

  • Familien, die einen ganztägigen Betreuungsbedarfin der Sommertalgrundschule haben, können  diesen  über  die  bisherige  flexible  und  jahrelang  bewährte  Betriebsformunserer Schule mit dem Zusatzangebot der Hortbetreuung abdecken.
  • Ebenso ermöglicht das derzeitige Modell  den Familien, die ihre Kinder am Nachmittagzu  Hause  betreuen möchten,  eine  verlässliche  Halbtagsschule,  ergänzt  durch  dasAngebot der Kernzeitbetreuung.
  • Des Weiteren lässt dieses Modell zu, dass Familien, die ihre Kinder gerne komplett zuHause betreuen möchten, dieses auch tatsächlich selbst tun können.

Im  Gegensatz  zu  dieser  flexiblen,  bedarfsgerechten  und  frei  wählbaren  Regelung  soll  mit  dem aktuellen Ganztagesschulgesetzdie Ganztagesschule mit für alle Familien verpflichtender Ganztagesbetreuung  verstärkt  ausgebaut werden.  Zielsetzung  ist  der  deutliche  flächendeckende Ausbau der Ganztagesgrundschulen bis 2023: 70% der Grundschulen in Baden Württemberg.

 

Die aus dem aktuellen Ganztagsschulgesetz resultierenden Möglichkeiten für den Betrieb unserer Schule ab dem Schuljahr 2016/2017 wurden in der o.g. Sitzung von Frau Rose erläutert und im Rat diskutiert. Das Gesetz zur Ganztagesgrundschule unterscheidet zwei Formen der Ganztagesschule: Eine Ganztagesschule in Wahlform und eine in verbindlicher Form. Die Wahlform ermöglicht den Eltern, jedes Schuljahr neu zu entscheiden, ob ihr Kind für ein (weiteres) Jahr am Ganztagesbetrieb

der Schule verbindlich teilnimmt. Die Ganztagesgrundschule in verbindlicher Form hingegen verpflichtet alle Grundschulkinder über die gesamten vier Schuljahre, wöchentlich an 3 bis 4 Tagen am Ganztagsbetrieb der Schule teilzunehmen. Aus unserer Sicht und der unserer Kinder sprechen folgende Argumente gegen eine verbindliche Form der Ganztagesgrundschule:

  • Fundamentale Einschränkung der Entscheidungsfreiheit der Eltern und damit des Elternrechts auf Erziehung, s. Art.6.2 des deutschen Grundgesetzes: „Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht.“
  • Die Anwesenheitspflicht in der Schule für unsere Kinder (5-10 Jahre alt) steigt von den notwendigen ca. 25 Schulstunden mit verpflichtendem Unterricht auf bis zu ca. 48 (!) Schulstunden (inklusive Mittagessen) pro Woche.
  • Die Schule rückt damit anstelle der Familie erzwungenermaßen in den Lebensmittelpunkt des Kindes.
  • Es kommt zu einer – uns Familien von außen aufgezwungenen - Änderung der kompletten Familienstruktur durch eine erhebliche Reduzierung der gemeinsamen Familienzeit.
  • Unsere Kinder erfahren eine erhebliche Einschränkung ihrer tatsächlich selbstinitiierten, selbstorganisierten „Frei“zeit und müssen stattdessen in Gruppen an organisierten Angeboten teilnehmen, ob diese ihren Neigungen entsprechen oder auch nicht.
  • Die Kinder können aus Zeitmangel ihren Hobbys, Interessen und Vorlieben (außerhalb vonschulischen Angeboten) nicht in dem Maß nachgehen wie gewünscht.
  • Freundschaften zu Kindern, die nicht dieselbe Schule besuchen, werden schon rein zeitlich erheblich schwieriger zu pflegen.
  • Individuellen Bedürfnissen wie eigene Zeiteinteilung, eigene Interessen oder auch der Wunsch nach Rückzug (vielleicht lieber im vertrauten Zuhause statt im gemeinsamen „Ruheraum“) kann aus organisatorischen Gründen nicht entsprochen werden.
  • Für einen Teil der Kinder bedeutet Ganztagesunterricht - also die ständige Anwesenheit im Schulhaus mit vielen anderen von morgens bis zum späten Nachmittag inklusive Mittagessen mehr körperliche und psychische Anstrengung und stellt für sie ein unzumutbares Stressrisiko dar.

Mit der Entscheidung für eine verbindliche, also staatlich verordnete ganztägige Beschulung für alle Kinder werden zwar politische und wirtschaftliche Interessen bedient, dies geschieht jedoch auf Kosten der Kinder und Familien. Wir möchten nicht, dass die Gestaltung unseres Familienlebens staatlich geregelt wird, sondern dass diese weiterhin jeder Familie selbst überlassen bleibt.

 

Die Wahlfreiheit der Eltern zwischen häuslicher und staatlicher Betreuung muss unbedingt bestehen bleiben. Deshalb lehnen wir das Modell der Ganztagesschule für unsere Schule, insbesondere in der verbindlichen Form, ausdrücklich ab. Der Elternbeirat plädiert für die Beibehaltung der derzeitigen Betriebsform (verlässliche Halbtagesgrundschule mit ergänzenden Angeboten). Diese Regelung hat sich aus unserer Sicht bestens bewährt.

 

Und deutlich hervorzuheben ist: Die aktuelle Umfrage der Stadtverwaltung hinsichtlich des Betreuungsbedarfs deckt sich mit dieser Aussage: Denn 77% der Eltern wünschen hier eine Beibehaltung des derzeitigen Angebotes. Dieses Ergebnis ist eindeutig.

 

Punkt 2. Den Beschluss zur Einrichtung einer zweiten Hortgruppe unterstützen und begrüßen wir. Dieser trägt der stärkeren Nachfrage nach Nachmittagsbetreuung Rechnung und erscheint aufgrund der Neuregelungen im Ganztagesschulgesetz absolut notwendig.

 

Xenia Galizki (Elternbeiratsvorsitzende 2015/2016)